Fachbeiträge 2

 


Kalkputz und Mörtel am Baudenkmal


Beitrag von Konrad Fischer (aktualisiert 3/10) Leider im Okt. 2018 einem Krebsleiden erlegen, aber eine bis heute aktuelle Quelle für die Bauwerkserhaltung (Ursprungsbeitrag)


Ich habe den Beitrag in seiner Komplexität übernommen, weil er zu vielen Problematiken eine solide Basis darstellt.


"Die historischen Verputze und ihre Kalkanstriche sind nicht deshalberhalten geblieben, weil sie nicht nass werden, sondern deshalb, weildas Wasser sehr schnell wieder verdunsten kann [...], weil es [...]unter günstigen Bedingungen zu keiner Akkumulation von Salzen unterder Oberfläche kommen kann, weil die Salze auf der Oberfläche"ausblühen" können [...]." Prof. Dr. Ivo Hammer [1]

Kalkist ein Lieblingsbaustoff der Denkmalpflege. Trotz der vielen Schädenmit modernen Baustoffen im Alt- und Neubau sind aber auchtraditionelle Kalkprodukte nicht unproblematisch. Mißerfolgebeeinträchtigen deren Ansehen. Darf man Kalkprodukten überhauptVertrauen schenken, oder sind diese bestenfalls ausnahmsweise - wiez.B. im Denkmalschutz - einsetzen? Will der Architekt reineKalkprodukte anwenden, ohne künstliche oder hochhydraulischeZutaten, drohen ihm regelmäßig drei Gefahren:

1.Der Handwerker meldet Bedenken, deren Ursprung derFertigproduktwerbung zu entstammen scheint. Eine Haftung undGewährleistung für Kalkanwendungen wird kategorisch abgelehnt, diesogenannten "allgemein anerkannten Regeln der Baukunst"scheinen verletzt. Ergebnis: Der Bauherr und der Architekt geben auf- zement- bzw. kunststoffhaltige Industrieprodukte werden ersatzweiseangewendet.

2.Der Handwerker tauscht undeklariert die geforderten reinenKalkprodukte gegen mit Zement bzw. Kunststoff verschnittene undbesser maschinengängige Ersatzprodukte aus. Oft gibt er beiBaustellenmischungen hinter dem Rücken der Bauleitung dem Mörteldas berühmte Schäufelchen Zement, der Farbe den "Spritzer"Kunststoffbinder dazu. Oder er arbeitet mit den Kalkprodukten rund umWeißkalkhydrat / Weißkalk, Sumpfkalk / Löschkalk / Speckkalk,Kalktünche, Kalkmilch, Kalksinterwasser, Kalkmörtel /Luftkalkmörtel / Sumpfkalkmörtel / Speckkalkmörtel, Kalkputz /Luftkalkputz / Sumpfkalkputz / Weißkalkputz / Speckkalkputz undKalkspachtel, ohne deren erheblichen Ansprüche an die ausreichendeFeuchteversorgung des Untergrund und der frischen Schicht sowie diefachgerechte Verarbeitung bis zur rechtzeitigen Entfernung desSinterhäutchens von abbindenden Oberflächen ausreichend zubeachten. Gibt es dann Schäden, dann ist der Architekt oder derBauherr schuld, die ja keine "üblichen" Baustoffe wollten.

3.Das angewendete Rezept, oft abgeschrieben aus unverstandenerFachliteratur oder alten Leistungsbeschreibungen, im Labor und derPraxis nicht genug ausgetestet und optimiert, vernachlässigt dietraditionellen Erfahrungen. Früher übliche Vergütungszusätze, wieZiegelmehl, Fruchtzucker, Öle, Kasein und sonstige Naturstoffe, diedie objekttypische Eignung hervorbrachten, werden nicht oder nichtsachgerecht verwendet. Der Mörtel will nicht richtig haften, derAnstrich staubt, kreidet und mehlt. Hersteller- und handwerksseitigeSaniervorschläge, wenn das Kind in den Brunenn gefallen ist, greifennicht oder nicht ausreichend. Doch es kann noch schlimmer kommen,wenn sich der Kalkmörtel bei jedem Regen und Kondensatanfall unmäßigmit Wasser vollsaugt, Untergrundsalze deswegen nicht ausreichendabführt und obendrein keine ausreichende innere Bindung (Kohäsion)aufweist. Frost, und Salzsprengschäden sind die unabänderlicheFolge. Die Untersuchung des Fraunhofer Institutes Holzkirchen"Kalkputz in der Denkmalpflege" dokumentiert hierzuspektakuläre Versagensfällebei ausgerechnet vonDenkmalbehörden beratenen Kalkputzen. Ergebnis: "daßdie Anwendung reiner Luftkalkputze ohne Zusatzmittel in der Praxisnicht vertretbar ist, da mit zu großen Schadensrisikenverbunden".[2]

KonradFischer: Fassaden energetisch richtig und kostensparend sanieren1

Teil2 Teil3 Teil4 Teil5

Entscheidend sindaber nicht nur die Zusatzmittel in durchaus unterschiedlichsterZusammensetzung - Standards gibt es hier ja nicht - sondern auch dieZusammensetzung des Mörtelsandes aus Natursanden wie Fluß- undGrubensand oder Brechsanden - jeweils mit den unterschiedlichstenEigenschaften, was den Kalk- und Silikat/Quarz-Anteil, dieKorngeometrie und die Kornfraktionierung betrifft. Runde Körnerlassen den Mörtel besser "rollen" - ein Vorteil bei derVerarbeitung, splittrig gebrochene Körner sorgen für bessereVerkrallung der Mörtelmatrix. Hinzu kommt noch das Problem desBindemittels. Es gibt ja Baukalke mit unterschiedlichen bindefähigenKalkgehalten (steigender CaO-Anteil von CL 70 über CL 80 bis CL 90gem. EN 459-1), ihr Anteil beeinflußt u.a. die Bindefähigkeit,Konsistenz und auch den Wasserbedarf der Mörtelgemisches. Alles inFachkreisen bekannt - und dennoch nicht so einfach standardisierbar.Denken Sie mal an Brotrezepturen, dann wissen Sie, wie gleicheRezepturbestandteile durchaus unterschiedlichste Ergebnisse bringenkönnen. Bei Kalkprodukten ist das nicht anders.

Warumalso diese Unsicherheit in der Praxis, warum die Schädenan den Kalkbaustellen?

DieWerbung für industrielle Fertigprodukte - auch im BereichLuftkalkmörtel - verspricht dem Handwerker Sicherheit, beste, ambesten geschwinde Verarbeitbarkeit und damit hohen Gewinn. MöglicheAnwendungs- und Gesundheitsrisiken, Volldeklaration undRisikobeschreibung, unausgereifte Rezepturen, heimliche Zugaben vonZement, Hüttensand oder anderer riskanter Hydraulfaktoren mitunangenehm verfestigenden, trocknungsblockierenden undspannungsrißverstärkenden sowie schadsalzbelastendenNebenwirkungen, die Verträglichkeit mit dem Bestand und diePraxistauglichkeit auf Dauer werden dabei oft unterschlagen. DieAbhängigkeit von fertig konfektionierten Baustoffen raubte demHandwerker den Materialverstand. Schnelle Verarbeitbarkeit, möglichstmit immer weiterentwickelteren und von Jahr zu Jahr nochleistungsfähigeren Putzmaschinen, ist nun wichtiger als dauerhafteObjekteignung. Im Schadensfall kommt dann das böse Erwachen:Schlechtachter entdecken Ausführungsmängel - ganz so einfach istdie praktische Anwendung der neuen Laborkompositionen also nicht -trotz neuester Maschinentechnik. Und dabei hätte es bei selbst nachaltemRezept gemachtem Luftkalkmörtel(drei Teile Grubensand oder Flußsand oder meinetwegen auchBrechsand, zur verbesserten Pumpfähigkeit und Packungsdichtenotfalls mit einer Handvoll Feinzuschlag wie Ton oder beimSandwaschen ausgewaschene Schlämme aufgepeppt (Trick 17!), sowie einTeil möglichst fettem Weißkalkhydrat CL 90) auch und vielleichtauch viel besser getan. Das Anmischen bzw. Anmachen des Mörtels wirdmaschinell wie immer gemacht, und wenn das Pumpen und Spritzen wegender dafür suboptimalen Sieblinie des Sandes (kein "fließfähiges"Monokorn mit schlechten Endeigenschaften wie bei pumpfähigenTrockenmörtelprodukten) nicht optimal funktioniert, kommt derklassische Handverputz zu seinem Recht. Wobei die kalktypischenRezeptur- und Verarbeitungsproblemeselbstverständlich dennoch berücksichtigt werden müssen.

Dochwie sieht es beim Architekten aus?

SeineAusbildung an der Hochschule hat die Baustoffkenntnis unterschlagen.Bei hygroskopischer und kondensatbedingter Sockelfeuchte glaubt er an"aufsteigende"Feuchte (Kapillartransport von Mauerstein-Kleinporen zuKalkfugenmörtel-Großporen unmöglich!),trotz der energetisch unübertreffbaren Speicherwirkung massiverBauweise fällt er auf die unwirtschaftliche, technisch falsche,konstruktions- und gesundheitsschädliche Dämmhysterie herein (derk-Wertgilt laut DIN nur für den Labor-Beharrungsszustand[3], zum tatsächlichen Heizenergieverbrauch steht er in keinemmathematischen Verhältnis [4]), statt auf bewährte Baustoffe setzter auf ständig neu komponierte Bauchemie- und Zementprodukte mitschädlichen Folgen für Bauwerk und Mensch. Rezept- und Systemwissenwird ihm in der Ausbildung und Baustoffpropagandaverweigert. Die werbeabhängigenBauverlage bieten eher industrielle Hofberichterstattung alsFachliteratur. Aus Bauschäden entstehen neue Produkte, anstelleRückkehr zu bewährten Methoden. Der Teufel wird also mit Beelzebubausgetrieben.

Unddie Denkmalpflege?

Immerneue Rezeptvarianten werden auf die Baudenkmale losgelassen.Kunstharze, Silikone und Silikate, alkalireiche Traßmehle mitundeklarierten Zementanteilen, hochhydraulische "Kalke",oft undeklariert mit Zement verschnitten, sogar wasserabweisendsperrende Sanierputze sind (fast?) zum anerkannten Denkmalbaustoffgeworden. Die davon abhängigen Schäden landen leider kaum in derBauliteratur, sondern werden weggemauschelt. Die Fehlversuche mitBaustoffrezepten des Denkmalpflegers werden von Außenstehenden oftnicht dem falschen Rezept und/oder falscher Verarbeitung zugeordnet,sondern dem Baustoff Kalk. Auch das erklärt die Kalkangst desHandwerkers.

DerVertrauenschaden, der durch wiederholte Veröffentlichung einessolchen Versagensfalles am "reinenKalkputz in "historischer" Rezeptur nach Angabe der dortzuständigen Denkmalbehörde"[5] am BMFT - Projekt in Schloß Lustheim hervorgerufen wurde, istentsprechend hoch einzuschätzen (vgl. hierzu auch [2]).

Gehtman also von den vielen Fehlschlägenam Denkmal, den industrienahenVeröffentlichungen und den von Salzhysterie-Gutachten aus, ist einreiner Kalkmörtel und -anstrich im Altbau mit vorbelastetenUntergründen ein vorprogrammierter Reinfall.So ist es nur logisch, daß auch die denkmalnahe Wissenschaft undPraxis in Deutschland vorwiegend mit mehr oder wenigerschadsalzverseuchten hydraulischen Zutaten experimentiert, sei esRies- oder Eifeltraß, hydraulischer oder hochhydraulischer Kalk.Letztlich schreckt man auch vor wohldosierten Hüttensand- undZementbeigaben nicht zurück. Die Verzweiflung ist also groß.

Doches gibt auch andere Erfahrungen.

Habenwir nicht überraschend viele "unterVerwendung von natürlichen Zusatzmitteln" hergestellteLuftkalkmörtel als "dauerhafteHochleistungsputze" [6], dieunter widerwärtigsten Bedingungen über Jahrhunderte ihren Dienst amBauwerk leisten? Sei es an Wind und Wetter ausgesetzten Kirch- undBurgtürmen, an hohen Schloß und Klosterfassaden, an extrembelasteten Erdgeschossen, im ungeschützen Mauerwerk vieleraltehrwürdiger Sakral- und Profanbauten. Leider gelangen diese"historischen" Erfolgsfälle kaum in die breiteBauöffentlichkeit, sondern bereichern lediglich exklusiveDenkmalzeitschriften.

Allerdingsverlieren wir derartig bewährte Putzflächen immer wieder, wennAnstrichsysteme mit hochfesten bzw. verdichtenden Silikat- undKunstharzbindemitteln die traditionellen Kalktünchen ersetzen. Mitdiesen Kompositionen zerstört der Malermeister oft wertvolleAltputzflächen und begünstigt damit deren Abschlagen und Ersatzdurch Neuputz [1, 7, 8,].

Prof.Dr. Ivo Hammer faßt das Thema Anstrich auf Kalkputz so zusammen:"Das Mißtrauen gegenüber derKalktechnik war wesentliche Grundlage für die Einführung desKaliwasserglases. Wenn aber Haltbarkeit mit Kriterien derLangfristigkeit und Reparaturfähigkeit, also als Nachhaltigkeitbeurteilt wird, wenn die Folgen extremer Verwitterung vonhistorischen Kalkfassaden konservierend behandelt werden und wenn beider Anwendung handwerkliche Grundsätze beachtet werden, ist diesesMisstrauen gegenüber Kalk nicht berechtigt und durch zahlreicheBeispiele erhaltener Kalkfassaden und eine mancherorts ungebrochenehandwerkliche Tradition der Anwendung von Kalk als Fassadenfarbe,auch bei dunkleren Farbtönen, widerlegt."[1]

Der Aufsatz vonProf. Dr. Ivo Hammer: "Bedeutunghistorischer Fassadenputze und denkmalpflegerische Konsequenzen. ZurErhaltung der Materialität von Architekturoberfläche",publiziert in den ICOMOS Heften des Deutschen Nationalkomitees XXXIX,München 2003, 183-214 (gleichzeitig erschienen in "Arbeitsblätterdes Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege Bd 117", München2003, 183-214), gibt weitere grundsätzliche Hinweise zurTauglichkeit von Kalkmörteln im bemerkenswerten Unterschied zu"modernen" Mörtelrezepturen. Hier einigeAuszüge:

"Aufbauend aufden Forschungen von John Smeaton (1724-92), entwickelte James Parkerden 1796 patentierten Romanzement durch Brennen von Kalk und 25-30%tonigen Bestandteilen unter hoher Temperatur. 30 Jahre später, 1824,ließ sich Joseph Aspdin das Verfahren zur „Verbesserung in derHerstellung künstlicher Steine“ patentieren, das er„Portland-Cement“ nannte. [...] Portlandzement wurde alsPutzmaterial erst nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt eingesetzt.Beide Zementarten erzeugen einen erheblichen Eintrag vonbauschädlichen Salzen. Verputze mit einem hohen Anteil an Zement anhistorischen Fassaden haben sich nicht bewährt. Typisch sind dieDehnungsrisse im Abstand von ca. 1 m, die sich durch die hohe Dichtedes Materials ergeben. [...]

Im Sockelbereich eines Bauwerksin Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten im Trocknungsprozessaufkonzentrierte Fäkal- bzw. Streusalze - selbstverständlich imSpritzwasserbereich als Salzlösung von außen in die Wandoberflächeeingetragen und nicht im Mauerquerschnitt als "AufsteigendeFeuchte" von innennach außen transportiert - werden bis heute meist nicht insimpelster Weise entfernt, sondern durch Porenputze, Hydrophierungmit Silikonen und durch filmbildende Anstriche kaschiert und erst malunsichtbar gemacht. Die hygroskopische Wasseranziehung der Schadsalzebleibt dabei aber wirksam, die Salze kristallisieren bei ausreichendtrockener Luft (für Nitrat: weniger als 50 % rel. Feuchte) in derKontaktzone von Porenputz (der in euphemistischer Firmenmetaphorik„Sanierputz“genannt wird) und Maueroberfläche und tragen so zur zusätzlichenZerstörung der schützenswerten historischen Substanz bei.

DasPrinzip dieser heute überall angewendeten „Sanierputze“ist die Brechung des Kapillartransports von Wasser, entweder durchgroße Poren oder durch Hydrophobierung mit Siliconen oder ebenbeides in Kombination. Wasser kann dann nur noch in Dampfform an dieOberfläche kommen, es wird dadurch "unsichtbar". Durchdiese wasserabweisend gesperrten Porenputze wird der Mauer aber keinGramm Feuchtigkeit entzogen. Die Verdunstung ist wesentlich langsamerals bei einer Oberfläche, die für Wasser in flüssiger Formdurchlässig ist. Der vorgeschriebene „Vorspritzer“, mit hohemZementanteil und in der Praxis oft recht dicht aufgetragen, bringtnicht nur zusätzlich Salze ins Mauerwerk, sondern wirkt auch alsTrocknungsblockade mit entsprechend intensivierter Verwitterung undführt längerfristig zur Zerstörung der Mauersteine [durchSalzkristallisation] und damit auch zur Zerstörung ihrer Verbindungzum Verputz.

Meist noch hydrophobierend „ausgerüstete“Kunstharzanstrichehaben in mehrfacher Hinsicht schädliche Auswirkungen auf denhistorischen Verputz. Sie wirken als Trocknungsblockade für diedurch thermische Kondensation fast jede Nacht unter derFassadenoberfläche entstehende Feuchtigkeit. Wenn das Wasser nichtdirekt in flüssiger Form an der Oberfläche trocknen kann, sondernin Dampfform durch den filmbildenden Anstrich oder dieHydrophobierung diffundieren muss, ist der Trocknungsvorgangwesentlich langsamer. Die langsame Trocknung bedeutet auch, dass diechemischen, physikalischen und mikrobiologischen Schadensprozesse,die fast alle mit Feuchtigkeit verbunden sind, wesentlich intensivereinwirken können: zum Beispiel die Vergipsung von Kalk, dieEissprengung und das Wachstum von Mikroorganismen. Die Salzekristallisieren an der Verdunstungsgrenze, also hinter derhydrophoben Oberfläche, und sprengen den Porenraum. Die Kunstharze,die ungefähr einen zehnfach höheren Dehnungskoeffezienten haben alsein Kalkmörtel, führen an Fassaden mit ihren oft großenTemperaturunterschieden zu erheblicher thermischer Dilatation unddamit zu Scherspannungen, die den Verputz gerade an der Kontaktzonezum Anstrich buchstäblich zermürben. [...]

Naturwissenschaftund Technik sind heute selbstverständliche Partner derDenkmalpflege. Die Ursachen von Verwitterungsprozessen und Schädensind von keiner Disziplin allein, auch nicht von den Restauratorenallein zu erfassen. Es muss aber zu denken geben, wennNaturwissenschafter bis heute erklären, dass Kalk als Putz- undAnstrichmaterial heute nicht mehr angewendet werden könne. DieTatsache der Existenz von Kalkmörteln und Kalkanstrichen, „die imFreien Jahrhunderte überlebt haben, bringt mir keine noch sologische und mathematisch formulierte Laboruntersuchung insWanken“.(Andreas Arnold, Naturwissenschaft und Denkmalpflege, in:Deutsche Kunst und Denkmalpflege 45, 1987 / 4, S. 5) [...]

GegenüberNatursteinen haben historische Verputze in der Regel eine erhöhtePorosität, das heißt, sie sind leicht zugänglich für flüssigeund gasförmige Stoffe. Sie sind ein offenes, von der Architektur undder Umwelt und ihren chemischen, physikalischen und biologischenFaktoren der Verwitterung nicht isoliertes System. Die schädlicheWirkung dieser Stoffe ist nicht nur abhängig vom Material, sondernauch von der Menge und Häufigkeit der Einwirkung.

In normalerMenge ist Wasser für Putze – entgegen landläufiger Meinung –nicht schädlich; im Gegenteil, es ist notwendig für dieSelbstheilung des Verputzes durch den Sinterprozess, also die Lösungund Rekristallisation des Kalks. Erst wenn durch Baumängel,Bauschäden oder Naturereignisse Wasser in zu großer Menge in denVerputz infiltriert, die Trocknung also ständig an der Oberflächestattfindet, wird der Sinterprozess zum Schadensfaktor, weil der Kalklediglich an der Oberfläche rekristallisiert und eine Krustebildet.

Aufgrund ihrer offenen Kapillarstruktur und ihrerhydrophilen Eigenschaft haben historische Putze sehr guteTrocknungseigenschaften:

Wasser kann in flüssiger Form bis andie Oberfläche gelangen und verdampft rasch. Prozesse derVerwitterung, die meist mit Feuchtigkeit verbunden sind, zum Beispieldie Vergipsung von Kalk, können weniger lang einwirken. LöslicheSalze kristallisieren oder hydratisieren an der Oberfläche alszunächst unschädliche Ausblühungen und fallen (teilweise) ab. Diemineralische Verklammerung der Kristalle und Mikrorisse erzeugen eingünstiges Verhalten gegenüber thermischer Dilatation (Dehnung undSchrumpfung durch Temperaturänderungen), Vibration und statischenBewegungen des Mauerwerks.

Ein wesentlicher Vorteil desMaterialsystems ist seine Reparaturfähigkeit. Wenn man inregelmäßigen Abständen pflegt und für die Reparatur die gleichenMaterialien und Techniken verwendet wie für den ursprünglichenVerputz, hat die Reparatur auch heilende, konservierende Wirkung.[...]

Materialien, die zur Blockade oder Hydrophobierung derKapillaren führen sollen, zum Beispiel Silicone, Bitumen, Zementoder Kaliwasserglas, haben nicht nur in der Vergangenheit zu weiterenSalzschäden geführt, sondern sind auch in der Vollständigkeit derAbdichtung und auch deren Haltbarkeit fragwürdig.

Gegenüberder historischen Tradition der Reparatur historischerArchitekturoberflächen, also auch von Verputzen, ergeben sich in dermodernen Denkmalpflege folgende neuen Aufgabenstellungen: [...]
•Entfernung von nicht kompatiblen Materialien der Restaurierung undReparatur (Zementputz, filmbildende Anstriche). [...]

Langfristigsind aber Reparaturen mit Materialien, die mit der historischenSubstanz nicht kompatibel sind, wesentlich kostenintensiver."

SoweitProf. Dr. Ivo Hammer, der als Praktiker am Bundesdenkmalamt Wien(Österreich) und als Professor an der HAWK - Hochschule fürangewandte Wissenschaft und Kunst, FachhochschuleHildesheim/Holzminden/Göttingen, Institut für RestaurierungStudienrichtung Konservierung und Restaurierung vonArchitekturoberfläche über einen reichen Erfahrungsschatz verfügtund damit den industriegestützten Normen, WTA-Merkblatt-Aussagen undallerlei schwachverständigen Vorbehalten und fehlinterpretiertenLaboranalysen gegen die Tauglichkeit und Dauerbeständigkeit vonLuftkalkmörtel an bewitterten Fassaden stets wohlbegründetentgegentreten kann. Und letztere sind ja Legion, auch und gerade beiöffentlich bestellten und vereidigten "Sachverständigen"und leider auch, um Industrieprodukten mit bauchemischer undzementärer Rezeptur an den Mann zu bringen.

Leidertreffen aber die bauphysikalischen Laborwerte der Industrieproduktebetreffend z.B. Kapillarität, Abdichtung und Festigkeit am Bau nichtunbedingt zu. Sie sind in der Praxis oft wesentlich schlechter(Diffusionswiderstandswerte bei Kalk-Zementputz bis ca. 50-fach, beiSilikatfarbe bis ca. 100-fach über angegebenen Laborwerten [9],Druckfestigkeitswerte bis ca 3-5-fach über Laborwert) undverursachen Schäden, die von Schwachverständigender Industrie gerne dem Handwerker und der Bauleitung zugeschriebenwerden.

Regen-und Kondensat-Feuchtigkeit, die sich an den hydrophobierten,klebrigen Kunstharzanstrichen anreichert und nachfolgend verdunstet,hinterläßt organische Ablagerungen. Diese sind ein idealerNährboden für das Wachstum von Algen und Pilzen. Deswegenverschmutzen hydrophobierte Putzflächen wesentlich schneller, alsKalkoberflächen.

Diegenannten Werte für die Dampfdiffusion haben mit dem Verhalten desBaustoffs gegenüber eingedrungenem Wasser bzw. Kondensat inflüssiger Form - der Regelfall! - so gut wie nichts zu tun.Wasserabweisung nach außen heißt auch Wassersperrung nach innen.Folge: Feuchteanreicherung im Bauwerk mit entsprechendenkonstruktiven und gesundheitlichen Folgen. Gerade die die mitKunststoffdispersion vergüteten Farben neigen zu Staubanlagerung,Algenbewuchs und Mikrorißbildung (Craquelée), durch das dannFeuchte kapillar eingesaugt und nachfolgend geradezu eingesperrtwird. Da der gem DIN für manche Farbsysteme erlaubte 5%-igeDispersionszusatz bei inzwischen üblicher Verwendung vonHochkonzentraten einem Masseanteil von vergleichsweise 10-15%entspricht, folgt daraus zwar die hohe Wasserabweisung aber auch dieschädliche Sperrwirkung dieser Produkte. Dies gilt umsomehr fürnachfolgende Reparaturanstriche, die durch zunehmendeAbdichtungswirkung darunterliegende Kalkputze noch besser zerstörenkönnen.

Auchdie in der Werbung hochgelobten Sanierputze nach WTA funktionierendurch ihre wasserabweisende Ausrüstung nicht ganz so, wie gehofft:"Die Luftporen werden nicht mitSalz ausgefüllt" [10], da diewässrige Schadsalzlösung in hydrophobierte Poren nicht einwandernund auskristallisieren kann. Wenn man abplatzende Sanierputzschollensogar noch als salzblockierende Hydrophobierungserfolge publizierendarf [11], sollte man den sponsorierten Fachbeiträgen in denBauzeitschriften sowieso kritisch gegenüberstehen. Was dortSanierung und Denkmalpflege genannt wird, hat mit Heilung undSubstanzerhaltung regelmäßig wenig zu tun.

Demgegenüberbieten Kalkmörtel und -anstriche technische Vorteile. Sie haben imVergleich zu kunststoffhaltigen Produkten störungstoleranteEigenschaften, können eindringendes Wasser nicht einsperren, sondernbenutzen es wie beregnete Dachziegel als Dichtungsmittel und geben esschnell wieder ab. Auf Kalkoberflächen bilden die durch Beregnungausgeschwemmten freien Kalkbestandteile (Kalklauge Ca (OH)2)Calciumcarbonat-Kristalle (Kalksinter) mit Partikelgrößen imNanobereich. Im Ergebnis wird Feuchte und Schmutz von derNano-Oberfläche besser abgeführt, es kommt zu einemSelbstreinigungseffekt. Außerdem wirkt die oberflächlicheKarbonatisierung durch die von innen ausgeschiedenen Kalkkristalleals Selbstheilungseffekt gegenüber feinen Putzrissen imHaarriss-Bereich.

DieTrocknungsdauer t in Tagen (t = s d², dabei s = Baustoffkenngröße,d = Wanddicke in cm) nach dem französischen Bauphysiker RogerCadiergues ist dabei eine wichtige, aber wenig beachtete Kenngröße,z.B. (zitiert nach "Poroton-Handbuch". 6. überarbeiteteAuflage, Deutsche Poroton-GmbH, Königswinter, Nachdruck 1996):

s=
Luftkalkmörtel 0,25
Ziegel 0,28
Fichtenholz 0,90
Kalkstein 1,20
Porenbeton 1,20
Bimsbeton 1,40
Schwerbeton 1,60
Zementmörtel 2,50

Bestätigtwird das auch in den neueren Untersuchungen durch Prof. Dr. Dr.Venzmer, der zu den zementär und wasserabweisend aufgerüstetenSanierputzen feststellte: "[Sie]schränken die Trocknungsvorgänge gravierend ein, sie behinderndiese regelrecht. Um gleiche Verdunstungsleistungen erreichen zukönnen, sind Zeiten erforderlich, die um den Faktor 10 gestrecktsind gegenüber der freien Ziegeloberfläche."[12]

Einwesentlicher Vorteil von Kalkmörteln an Fassaden ist auch deren etwanur halb so große Temperaturdehnung gegenüber Zementmörteln.Außerdem erreichen die durch Trocknungskohäsion und hydratischdurch Kohlendioxid-Aufnahme aus der Luft abbinden Kalkmörtel beiweitem nicht so hohe Druckfestigkeiten wie die hydraulischrezeptierten Mörtel (Hydraulkalkmörtel, Kalkzementmörtel,Zementmörtel). Das beugt temperaturbedingten Spannungsrissen undFlächenablösungen vor. Die hohe Abbindespannung der Hydraulmörtelverträgt sich mit weniger tragfesten Untergründen - meist Standardam Altbau, aber auch auf - da porosiert - schwächelnden neuenZiegelmauern nur wenig bis gar nicht. Mögliche Folgen: Risse undHohlflächen, nachfolgend Auffeuchtung, außen Frostschäden, innenSchimmelbefall.

Diewesentlich bessere Abtrocknung von kalkgetünchten Kalkputzengegenüber allen sonstigen modernen "Alternativen" führtan Fassaden und in Innenräumen auch zu gestalterischen/ästhetischenund hygienischen Vorteilen:

- Die schnelle Trocknungvermindert die Staubanlagerung an kondensatbelasteten / beregnetenFlächen,
- damit ist auch die Gefahr der Algenanlagerung undSchimmelbildung stark verringert. Gerade bei größeren Räumen mitnur zeitweiser Nutzung und konvektiver,umluftintensiver Heizung wie inKirchen, Schlössern und Museen ist ein Kalkanstrich wesentlichlänger "sauber" als ein dispersiv sperrenderTrocknungsblocker. Und das gilt selbstverständlich auch imFassadenbereich.

Außerdem können Kalkoberflächen wesentlichbesser überhöhten Feuchteanfall aus Raumluftkondensat puffern unddamit für "frischere" und gesündere Luft im Raum sorgen.Die Luftbelastung mit gesundheitsschädlichen Keimen steigt japroportional zur Luftfeuchte an. Die momentane Zwischenspeicherungvon überhöhter Luftfeuchte bis zum nächsten Lüften -beispielsweise in Schlafzimmern mit nächtlich geschlossenen Fensternoder auch in Veranstaltungsräumen während der Nutzung - istfolglich ein auch gesundheitlich wesentlicher Vorteil pufferfähigerBeschichtungen auf den Raumschalen.

AusSicht des Energiesparens kann die Feuchte-Pufferfähigkeit derRaumoberflächen zudem eine Absenkung des Heizenergieverbrauchsbewirken. Trockenere Luft kann ja mit weniger Energie auf die gleicheTemperatur wie feuchtere Luft geheizt werden.

Gegenüberschadsalzbelasteten Untergründen wirken Kalkmörtel und -anstrichenicht absperrend, eine Schadsalzanreicherung bzw. Verlagerung imBestand kann in ihrer kapillaroffenen Porenstruktur nicht vorkommen.Notfalls "opfern" sie sich für den belasteten Bestand.Unter Verzicht auf versagensanfällige Porenbildner, mitqualifizierter Sieblinie und ungefährlichem, salzarmemBindemittelanteil kann es die üblichen Überhärten undSpätrißschäden der bestenfalls labortauglichen Werktrockenmörtelmit praxisverachtender Rezeptur bei Luftkalkmörtel Putzgruppe Ia garnicht geben. Kalkanstriche, freskal bzw. als Sumpfkalkanstriche mitgeringer Zugabe von Leinölfirnis, evtl. auch Methylzellulose auchsecco einsetzbar, erwürgen - soweit ohne Kunstharzverschnitt - auchnicht den Kalkmörtel-Malgrund. Für die technischrichtige Anwendung reiner Kalkproduktebestehen aber immer zwei Voraussetzungen:

1.Ein mit den tradierten und modernen Baustoffen vertrauter Handwerker,der mit gebotener Sorgfalt von der Untergrundvorbereitung bis zumEndanstrich seine Handwerksregeln einhält, und

2.Ein Baustoffrezept, das die Kombination Zuschlag, Bindemittel undVergütungszusätze im Sinn der historisch bewährtenKalk-Hochleistungsprodukte berücksichtigt und objektgerecht - alsofür die gebenenen Untergrundsituationen und Abbindebedingungeneinsetzt - am besten durch ausreichende - das heißt unter anderemerstens an den geschädigsten Baubereichen und zweitens überwintert!- Bemusterung optimiert. Nicht nur zugunsten der geschwindenMaschinenverarbeitung, sondern mit Rücksicht aufBestandsverträglichkeit, Dauerstabilität, Salz- undFeuchteentlastung des Untergrunds sowie allerbeste Alterungs- undReparaturfähigkeit.

Gerademit letzterem sieht es bei industriell konzeptioniertenFassadenprodukten nicht gut aus. Spätestens nach dem zweitenWiederholungsanstrich. Dann heißt es "alles runter". Nichtso bei Kalk. Mit Kalkmörteln und -anstrichen läßt sich immerwieder "beiarbeiten", lokal ausbessern und gefahrlosflächig instandsetzen.

NeuereEntwicklungen verfeinern die traditionelle Anwendung kalkgebundenerMörtel, Putze und Anstriche in bisher kaum erwartete Qualitätsstufenund Anwendungsbereiche. Vom Mauermörtel über Opfermörtel zu unterLuftabschluß abbindenden Injektionsmörteln, von Dachdeckermörtelüber maschinengängige grobe Putzmörtel bis zu Sumpfkalk-Anstrichengibt es inzwischen Praxisergebnisse, die seit Jahren auch inbesonders belasteten Einsatzbereichen überzeugen. Vor allem imVergleich zu bis dato üblichen "Sanierbaustoffen".TauglicheKalkprodukte - und da gibt esdurchaus große Unterschiede - müssen aber vergütet sein imHinblick auf Verarbeitbarkeit, das Porenvolumen und diePorenstruktur, die adhäsive Anhaftung am Untergrund und die Kohäsiondes Frischmörtels, das Kristallwachstum der Calciumkarbonate, dieFeuchteaufnahme und -abgabe, die damit zusammenhängendeDauerstabilität gegen Frost- und Salzangriff, gegen thermische undhygrische Belastung. Und das vorzugsweise mit sozusagenhomöopathischen Zusätzen natürlicher Zusatzstoffe imPromillebereich. Frei von Zement, sonstigen Hochhydraulen undKunststoff. Dann sind es traditionelle "Hochleistungsputze"(Prof. Wittmann).

Selbstverständlichdürfen auf reine Luftkalkmörtelprodukte nur silikat- undkunststofffreie Anstriche ohne Hydrophobierung aufgetragen werden.Wer dies mißachtet, provoziert Schadensfälle,für die der Kalk nichts kann.Werden kapillarsperrende Anstriche wie Dispersionsfarben,Silikatfarben, Dispersionssilikatfarben, Silikonharzfarben usw. aufden noch abbindenden, feuchten und nur teilweise karbonatisiertenMörtel beschichtet, unterbinden sie die erforderliche Abbindung.Nicht nur die Zuführung von Kohlendioxid zur Karbonatisierung,sondern auch die Frühfestigkeit des Frischmörtels durchWasserabgabe und seine Trocknungskohäsion sowie -adhäsion wirddamit stark eingeschränkt. Später dringt dann durch dasunvermeidliche Mikrorißcraquelée der Beschihtung und sonstigeHinterläufigkeiten der Fassade dennoch Feuchte in den Malgrund,dessen kapillare Abtrocknung - 1000-fach effektiver als mittelsDampfdiffusion! - von der nur dampfdiffusionsoffenen, aberkapillarblockierenden Beschichtung stark vermindert wird. Diedichtende und teils festigende Wirkung falscher Anstrichsystemefördert außerdem Krustenbildung,Untergundkorrosion und Schollenbildung.

Prof.Dr. Ivo Hammer erklärt das so: "Kaliwasserglasist härter als unbeschädigter Kalk [...], deshalb besteht anFassaden die Gefahr von Scherspannungen durch thermische Dilatation.Auch wenn ein erster Anstrich aus Kaliwasserglas dünn auf denhistorischen Verputz aufgebracht wird, steigt bei einem zweitenAnstrich die Gefahr der Krustenbildung und ihre negativen Folgen. DieVorfixierung mit Kaliwasserglas führt zu einer zusätzlichenVerdichtung des Verputzes im oberflächennahen Bereich." DieReparaturmöglichkeit von alten Silikatanstrichen ist "starkeingeschränkt, langfristig nahezu unmöglich", und es werdendurch Kaliwasserglas "schädliche lösliche Salze [...]eingebracht beziehungsweise erzeugt"[1]

Sperrend-moderneFarbsysteme stören die Selbstheilungsfähigkeit des Luftkalkmörtels,sich durch Umkristallisation freier Kalkhydrate vor auftretendenVerletzungen wie Risse oder übermäßige Feuchte mittelsNachversinterung zu schützen. Auch seine Nachkarbonatisierung istdann eingeschränkt. Das Vertrauen in wasserabweisende und gefestigteBeschichtungen ist schon bei nur mittelfristiger Betrachtung nichtangebracht. Craquelierende überfeste Krusten bilden bei "modernen"Schichtbildnern schnell ein Kapillarrißsystem, aus dem daseingesaugte Regenwasser und das täglich eindringende Kondensat überdie nun 99,9%ig abgedichtete Fassadenfläche nicht mehr entrinnenkann. Man beachte die diesbezüglichen Schadensbilder landauf undlandab.

Inzwischenhaben sich die neuen Produkte aus den Rezeptbüchern deskalkerfahrenen Handwerks bei entsprechend sorgfältiger Beachtung derAusführungsregeln bewährt. Sie bieten dem Bauherrn, dem Handwerkerund vor allem dem Bauwerk technisch und wirtschaftlich glaubwürdigeAlternativen zu den Totalvarianten der modernen Bauchemie. Ihre derWitterung folgende Hell- und Dunkelfärbung belebt dieDenkmalfassade. Wichtig ist der handwerklich richtige Umgang mitKalkprodukten, die qualifizierte Bestandsaufnahme undMaßnahmenplanung [13]. Das beugt Ausführungsfehlernvor und sichert die Bauleitung vor schlimmen Erfahrungen ab. MitWartungsverträgen lassen sich dennoch mögliche Überraschungeneingrenzen. Und eines darf man dabei nicht vergessen: Kalkproduktekönnen auch preisgünstiger sein als ihre "modernen"Surrogate. Kurz- und langfristig.

Literaturangaben
[1]I. Hammer, Zur Nachhaltigkeit mineralischer Beschichtung vonArchitekturoberflächen, Erfahrungen mit Kaliwasserglas und Kalk inÖsterreich, in: Mineralfarben, Beiträge zur Geschichte undRestaurierung von Fassadenmalereien und Anstrichen, Hochschulverlag,Zürich 1998
[2] H. Künzel, G. Riedl: Werk-Trockenmörtel,Kalkputze in der Denkmalpflege, in: Bautenschutz u. Bausanierung2/96.
[3] DIN 4108 Teil 7 Nr. 5
[4] H. Menkhoff, G.Achterberg, K. Bade u.a.:Realisierung des Wettbewerbs Therma,Schriftenreihe "Wettbewerbe" des Bundesministers fürRaumordnung, Bauwesen und Städtebau 05.007, Bonn 1983
[5] C.Arendt: Praxisvergleich von Sanierputzen-Untersuchungsteilergebnisseaus dem BMFT-Forschungsprojekt "Diagnose und Therapie überhöhterFeuchte-/Salzbelastung in historischen Mauerwerkskomplexen; in: Hrsg.H. Kollmann: Sanierputzsysteme, WTA-Schriftenreihe Heft 7,Aedificatio-Verlag, Freiburg und Unterengstringen 1995
[6] F.Wittmann in: [4], a.a.O.
[7] J. Osswald: Wasser geht - Gel kommt,Neue Erkenntnisse über die Abbindereaktionen in Silikatfarben, in:Bautenschutz und Bausanierung 3/98
[8] H.G. Meier:Beschichtungsschäden auf verputzten Flächen, in: Bausubstanz 4/98
[9] G. Koch: Sanierung historischer Bausubstanz, in: DerStukkateur 3/1988
[10] P. Kaiser, D. Heling: Salztransport inStandard-Sanierputzen, in: [4], a.a.O.
[11] K. Droll, H.G. Meier:Querschnittshydrophobierung von Sanierputzen - Langzeiterfahrungen,Teil 2, in: Bautenschutz und Bausanierung 4/96.
[12] H. Venzmeru.a.: Modellversuche zum Trocknungsverhalten sanierputzbeschichteterZiegel, in: Hrsg. H. Venzmer: Putzinstandsetzung, Schriftenreihe H.9, Feuchte und Altbausanierung e.V., Verlag für Bauwesen, Berlin1998
[13] K. Fischer: Die erhaltende Instandsetzung -Planungsvoraussetzungen und Methoden, in: Hrsg. H. Venzmer:Bautenschutzmittel, Schriftenreihe H. 8, Feuchte und Altbausanierunge.V., Verlag für Bauwesen, Berlin 1997